Gastbeiträge

Die Zukunft der Ausbildung

Wie Unternehmen den Kampf um Azubis gewinnen

Fachkräftemangel, Wissenslücken und Imageproblem – die Ausbildung steht vor gewaltigen Herausforderungen. Was Unternehmen, Ausbilder:innen und HR-Fachleute jetzt tun können.

Eine kürzlich publizierte Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat ergeben, dass zwei Millionen Stellen nicht besetzt sind, was einem entgangenen Wertschöpfungspotenzial von 100 Milliarden Euro entspricht. Über 50 Prozent der deutschen Unternehmen haben Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Die Personalabteilungen spüren das jeden Tag. Der Fachkräftemangel hat sich zu einem der größten Probleme der deutschen Wirtschaft ausgewachsen. Und ein Ende ist nicht absehbar. Sehr deutlich wird der Fachkräftemangel auch, wenn es um die Rekrutierung neuer Auszubildender geht.

Für den Fachkräftemangel gibt es drei zentrale Gründe:

  1. Schwierigkeiten bei der Rekrutierung
  2. Mangel an qualifizierten Bewerber:innen
  3. Imageproblem der Ausbildung

Rückgängige Bewerber:innenzahlen für Berufsausbildung

Fast 40 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze blieben zum Start des Ausbildungsjahres 2021/22 unbesetzt, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das Statistische Bundesamt sprach 2020 sogar von einem „historischen Rückgang“ der Zahl neuer Ausbildungsverträge. So wurden in den vergangenen Jahren nicht nur weniger Lehrstellen angeboten, auch verzeichneten die Unternehmen weniger Bewerber:innen. Laut der Bundesagentur für Arbeit waren es 2021 noch einmal 8,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Dieser Trend ist jedoch nicht erst seit den Corona-Jahren zu beobachten; schon seit 2006 geht die Zahl der Bewerber:innen für Berufsausbildungsstellen kontinuierlich zurück.

Schulische Wissenslücken erschweren die Ausbildung

Und selbst nach erfolgreicher Rekrutierung stehen Unternehmen und Ausbilder:innen vor erheblichen Herausforderungen. Immer mehr Auszubildenden fehlen schulische Grundlagen, insbesondere in Mathe und Deutsch. In einem ohnehin vollgepackten Ausbildungsplan können es Ausbilder:innen daher kaum leisten, dieses Wissen nachzuholen und zusätzlich zu vermitteln.

Ausbildungen haben ein Imageproblem

Noch vor zehn Jahren entschieden sich fast doppelt so viele junge Leute für eine Berufsausbildung als für ein Hochschulstudium. Diese Entwicklung hat sich seitdem stark verschoben. Seit 2020 sind tatsächlich mehr Studienanfänger:innen als neue Azubis zu verzeichnen, wie das Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt. Die unsichere Corona-Lage erhöht zudem den Trend, im Schulsystem zu bleiben oder ein Studium anstelle einer Berufsausbildung zu beginnen. Das ist für unsere Gesellschaft und für unsere Wirtschaft fatal, denn wir sind in vielen Bereichen maßgeblich auf Auszubildende angewiesen.

5 Lösungsansätze: Was Unternehmen jetzt tun können

1. Arbeitgeberattraktivität erhöhen
Klar ist, im Kampf um die besten Talente müssen Sie herausstechen. Employer Branding ist daher kein Nice-to-have, sondern zwingend erforderlich. Plattformen wie kununu erhöhen die Transparenz für Bewerber:innen. Dieses Potenzial gilt es für Unternehmen zu erkennen und sinnbringend zu nutzen. Welche Werte sind Ihnen wichtig, welche Zusatzangebote haben Sie? Bitten Sie Ihre Mitarbeiter:innen, eine Bewertung auf der Plattform zu hinterlassen.

2. Rekrutierung neu denken
Seien Sie dort, wo Ihre Zielgruppe ist. Digitale Medienpräsenz ist heute das A und O, um junge Menschen zu erreichen. Eine noch viel zu wenig genutzte Möglichkeit sind Corporate Azubi Ambassadors. Bitten Sie ehemalige sowie aktuelle Azubis ihre Erfahrungen über die Unternehmenskanäle zu teilen und damit einen authentischen und ehrlichen Einblick in die Berufsausbildung zu geben. Außerdem können Sie Ihren Auszubildenden durch die Aufnahme in ein solches Programm zusätzliche Wertschätzung entgegenbringen. Win-Win also.

3. Mehr Sicherheit und Perspektive geben
Die Attraktivität der Ausbildung setzt sich aus zahlreichen Faktoren zusammen. Das Gehalt ist nur einer davon. Ein bislang noch viel zu wenig genutzter Hebel sind Übernahmegarantien, die Azubis Sicherheit und Planbarkeit geben. So zeigt doch eine aktuelle Statista-Umfrage, dass 58,8 Prozent der befragten Auszubildenden nicht weiß, ob sie nach der Ausbildung vom Betrieb übernommen wird. Durch das Aufzeigen von Karrierechancen und Weiterbildungsmöglichkeiten zeigen Arbeitgeber:innen außerdem, dass sie sich um Azubis und deren Entwicklung kümmern. Auch mit einer beruflichen Ausbildung lässt sich die Karriereleiter erklimmen. Der Fachwirt und der Meister liegen zum Beispiel auf derselben Qualifikationsstufe wie der Bachelor.

4. Lernen digitalisieren und individualisieren
Um die heutige Generation für eine duale Berufsausbildung zu begeistern, müssen sowohl die Ausbildungsbetriebe als auch die Berufsschulen den Lehrplan moderner gestalten. Dazu gehört die Integration von digitalen Lernformaten wie z. B. der Lernplattform simpleclub, die viele Azubis bereits aus ihrer Schulzeit kennen. Digital- und Blended-Learning-Lösungen machen die Ausbildung nicht nur für junge Leute attraktiver, sondern auch zukunftsfähig. Der große Vorteil: Ausbilder:innen werden bei der Inhaltsvermittlung entlastet und Auszubildende können durch individuelle Lernpfade passend zum eigenen Tempo und Wissensstand lernen.

5. In Upskilling investieren
Durch Upskilling lässt sich das Fehlen qualifizierter Bewerber:innen adressieren. Ein Lösungsansatz ist hier, insbesondere Hauptschüler:innen und Realschüler:innen dabei zu unterstützen, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse auf ein neues Niveau zu bringen, das ihnen den Einstieg in attraktive Ausbildungen ermöglicht. Neben Hard Skills gehören hierzu ebenso Soft Skills wie Kommunikationsstärke oder Teamfähigkeit. Auch digitale Kompetenzen sind in der heutigen Arbeitswelt unverzichtbar. Maßnahmen zur Höherqualifizierung von Azubis können schon während der Schulzeit, im Übergang vom Schulabschluss zum Ausbildungsbeginn und natürlich fortlaufend während der Ausbildung und darüber hinaus greifen.

Zukunft der Ausbildung: Auf einen Blick

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Herausforderungen für Ausbildungsbetriebe sind enorm. Fachkräftemangel, unzureichend qualifizierte Bewerb:innen und schulische Wissenslücken ebenso wie ein grundsätzliches Imageprobleme der Berufsausbildung. Aber noch lange kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken. In der Krise liegt auch eine Chance. Eine Chance, Dinge zu verändern und zu modernisieren. Die Berufsausbildung muss digitaler, individueller und attraktiver werden. Diese Aufgabe müssen Ausbildungsbetriebe aber nicht alleine stemmen. Lösungen wie die digitale Lernplattform simpleclub setzen genau hier an: sie knüpft an der Lebensrealität der Azubis an, entlastet Ausbilder:innen bei der Inhaltsvermittlung und erhöht zudem die Arbeitgeberattraktivität. Also: Packen wir es an!


Alexander Giesecke, CEO und Gründer von simpleclub, der Lernplattform für Schule &
Ausbildung.

Gemeinsam mit Nicolai Schork gehört Alexander Giesecke zu den bekanntesten Jungunternehmern Deutschlands. Noch während ihrer Schulzeit bauen die beiden das größte YouTube-Bildungsnetzwerk Deutschlands auf (drei Mio. Abonnent:innen). 2015 gründet das Duo dann TheSimpleClub GmbH. Vier Jahre später folgt der Launch der simpleclub-App für Schüler:innen (B2C). Um unbürokratisch zu helfen, geben sie während den Schulschließungen in der Corona-Pandemie kostenlose Lizenzen für die Lernplattform raus. Allein in den ersten fünf Tagen werden 1,9 Mio. Zugänge im Wert von über 30 Mio. Euro von Schulleitungen erfragt. 2021 erschließen Giesecke und Schork mit der Digitalisierung von Ausbildungsberufen ein neues Feld (B2B) und gewinnen dafür 200 Bildungspartner wie beispielsweise die Deutsche Bank, die Sparkasse, Brillux und die DIHK. Im Sommer 2022 schließen sie die Series A-Finanzierungsrunde in Höhe von sieben Mio. Euro ab; angeführt von 10x Founders und HV Capital. Außerdem investieren die Gründer:innen einiger der wertvollsten deutschen Start-ups: Flixbus, CoachHub, sennder, Schüttflix uvm.

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