Wissenschaftliche Trendence-Studie

Bewerbende prüfen Arbeitgeberversprechen auf kununu

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Arbeitgeber zeigen sich auf Karriereseiten am liebsten nur von ihrer Schokoladenseite. Das kann allerdings einen negativen Einfluss auf das Recruiting haben, wie eine aktuelle wissenschaftliche Studie von Trendence nun zeigt.

Weltweit, führend, international: Das sind nur drei Attribute, mit denen sich Unternehmen laut der Employer Telling-Studie „Club der Gleichen“ auf ihren Karriereseiten gerne neben Fotos glücklicher Mitarbeiter:innen schmücken. Doch wie werden Arbeitgeber wahrgenommen, wenn die eigene Darstellung von der auf Bewertungsportalen wie kununu abweicht? 

Eine Frage, mit der sich die WU Wien und IMC FH Krems bereits 2019 auseinandergesetzt hat. Das Ergebnis der Untersuchung: Beim Vergleich des Arbeitgeberauftritts auf Karriereseiten und auf Bewertungsportalen kam es zwischen Versuchsgruppen zu kritischen Diskussionen hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Arbeitgeberkommunikation.

Welche drastischen Auswirkungen diese Diskrepanz auf das Talent-Management eines Unternehmens haben kann, zeigt eine aktuelle Trendence-Studie, die im Auftrag eines interuniversitären Forscherteams und unter der wissenschaftlichen Leitung von Katharina Pernkopf (Universität Innsbruck), Markus Latzke (IMC FH Krems) und Wolfgang Mayrhofer (WU Wien) mit 1.647 Bewerber:innen durchgeführt wurde.

Trendence-Studie zeigt: kununu Bewertungen sind Prüfsiegel

Nach Angaben der Studie nutzen demnach 73,6 Prozent der Kandidat:innen Arbeitgeber-Bewertungsplattformen. Die meisten Jobsuchenden (77,7 Prozent) nutzen Portale wie kununu, um sich generell über potenzielle Arbeitgeber zu informieren. 30,1 Prozent nehmen nach der Jobzusage einen letzten Arbeitgeber-Check vor, weitere 37,6 Prozent ziehen das zumindest in Erwägung.  Die ausschlaggebende Erkenntnis: Von den Nutzer:innen der Bewertungsportale geben 67,8 Prozent an, dass ihnen eine Diskrepanz zwischen der Arbeitgeberkommunikation und den Bewertungen von Mitarbeiter:innen aufgefallen ist.

Dieses Missverhältnis hat erhebliche Folgen für die ausschreibenden Arbeitgeber. Denn mehr als die Hälfte dieser Kandidat:innen bewirbt sich bei der Registrierung dieser Diskrepanz nicht mehr. 26,7 Prozent sogar nie mehr bei dem jeweiligen Unternehmen. „Ein Arbeitgeber, der in seinen Stellenanzeigen mit ausgewogener Work-Life-Balance wirbt, bei kununu & Co. aber kritische Beiträge zu diesem Thema erhält, verhagelt sich die Glaubwürdigkeit gegenüber einem Großteil potenzieller Bewerber:innen“, kommentiert Katharina Pernkopf von der Universität Innsbruck die Ergebnisse und gibt zu bedenken: „Das kann sich in Zeiten des Arbeitskräftemangels eigentlich kein Unternehmen leisten.“

Verzicht auf Bewerbung bei weniger als 2,5 Sternen

Bei der Jobentscheidung sind für Kandiat:innen insbesondere zwei Informationen wichtig. Zum einen erkundigen sich rund 86,9 Prozent der Nutzer:innen nach dem Gesamtscore auf dem Arbeitgeberprofil. Im Schnitt sehen die Kandidat:innen von einer Bewerbung ab, sollte der Score unter 2,5 Sternen liegen. Zum anderen schauen sich mehr als die Hälfte der Bewerber:innen die Erfahrungsberichte der Mitarbeitenden immer oder oft an. Weitere 30,4 Prozent lesen sich die Bewertungen gelegentlich durch.

„Wir sehen: Bewertungsportale sind zum Ort der Wahrheit für Kandidat:innen geworden und zwar über die gesamte Prozesskette einer Bewerbung und Einstellung – begonnen bei der Arbeitgeber-Recherche über das Vorstellungsgespräch bis hin zur Entscheidung, ob ein Arbeitsvertrag unterschrieben wird“, so Professor Wolfgang Mayrhofer von der Wirtschaftsuniversität Wien, der Teil der wissenschaftlichen Leitung der Studie war.

Authentische Kommunikation wird immer wichtiger

Die Ergebnisse verdeutlichen einmal mehr, dass Bewertungsportale wie kununu bei der Jobsuche zunehmend an Bedeutung gewinnen und als Informationsquelle einen starken Einfluss darauf haben, ob sich Talente für einen Arbeitgeber entscheiden – oder auch nicht. Für Arbeitgeber wiederum bedeutet diese Entwicklung, dass sie Employer Branding im Allgemeinen und die eigene Recruiting-Strategie im Speziellen auf den Prüfstand stellen müssen. Weg von der Makellosigkeit hin zu mehr Authentizität.

Auch an diesen Nutzungszahlen sieht man, “wie naheliegend es ist, dass die beiden am häufigsten genutzten Informationsquellen in der Jobsuche miteinander verglichen werden. Für Unternehmen wiederum erhöht das den Druck, authentisch in Richtung Kandidat*innen zu kommunizieren“, so Markus Latzke von der IMC Fachhochschule Krems. Am Ende gilt auch bei der Arbeitgeberkommunikation: Unternehmen sollten nur das versprechen, was sie auch einhalten können. Nur so können sie sich einen Vorsprung im Wettbewerb um die besten Talente sichern. 

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