Hintergrundwissen
Veröffentlicht: 27. März 2026 27. 03.2026 4 min

kununu Kulturdaten: Leistungskultur in Deutschland

Deutschlands Leistungsdebatte geht an der Arbeitsrealität vorbei 

Mehr arbeiten, länger arbeiten, weniger krank: Die aktuelle Debatte über Leistung in Deutschland kreist vor allem um Arbeitszeit, Teilzeit und Fehlzeiten. Die kununu Kulturdaten zeigen ein anderes Bild. Entscheidend ist nicht die Menge der Arbeit, sondern die Bedingungen, unter denen sie entsteht.

„Eine Stunde mehr Arbeit in der Woche ist wirklich nicht zu viel verlangt“, sagte Markus Söder Anfang 2026 mit Blick auf die wirtschaftliche Lage. Auch Friedrich Merz forderte jüngst eine höhere Leistungsbereitschaft in Deutschland. Gemeint ist dabei häufig ein Mangel an Arbeitszeit und Einsatz. 

Die politische Debatte beschreibt Leistung damit vor allem aus einer makroökonomischen Perspektive, nicht aus der Sicht derjenigen, die sie täglich erbringen. Ein Blick in die kununu Kulturdaten zeigt, wie unterschiedlich Leistung im Arbeitsalltag wahrgenommen wird. 

Leistung entsteht im System, nicht im Mehr 

Wer seinem Arbeitgebenden aus eigener Erfahrung eine ausgeprägte Leistungskultur zuschreibt, verbindet laut kununu Kulturdaten damit vor allem Vertrauen. 37,4 Prozent der Angestellten nennen „Mitarbeitenden vertrauen“ als zentralen Bestandteil von Leistung. Fast genauso häufig wird erwartet, dass gute Arbeitsqualität eingefordert wird (37 Prozent).  

Auch klare Ziele (30,3 Prozent), nachvollziehbare Abläufe (26 Prozent) und Verantwortung (23,7 Prozent) gehören zu den zentralen Faktoren. Leistung erscheint damit weniger als individuelle Anstrengung, sondern als Ergebnis eines funktionierenden Rahmens. Zumindest in der Wahrnehmung der Mitarbeitenden. 

Quote Icon

Die Analyse unserer Kulturdaten zeigt: Vertrauen ist aus Sicht der Mitarbeitenden ein grundlegender Faktor für eine moderne Leistungskultur. Leistung wird deutlich seltener mit Mehrarbeit und Druck verbunden, sondern mit klaren Rahmenbedingungen und Sinn.

Nina Zimmermann,  

CEO  

@ kununu

Überstunden sind kein Leistungsindikator 

Auffällig ist, was kaum eine Rolle spielt: Kontrolle (11,7 Prozent) und Überstunden (11,3 Prozent) werden nur selten mit Leistung verbunden. Gerade das steht im Kontrast zur aktuellen Debatte, in der Arbeitszeit oft als zentraler Hebel gilt. 

Die kununu Kulturdaten legen nahe: Mehr Zeit bedeutet nicht automatisch mehr Leistung – zumindest nicht aus Sicht der Mitarbeitenden. 

Leistung braucht Orientierung und Sinn 

Nur rund 16 Prozent verbinden Leistung mit Leistungsdruck oder einem „Trimmen auf Leistung“. Gleichzeitig zeigt sich ein neues Muster: Leistung wird dort wahrgenommen, wo Erwartungen klar formuliert sind und Mitarbeitende Handlungsspielraum haben. 

Für 29,7 Prozent gehört zudem der Sinn der eigenen Arbeit unmittelbar zur Leistungskultur dazu. Leistung ist damit nicht nur eine Frage von Output, sondern auch von Bedeutung. 

Wenn Performance zum Selbstzweck wird

Neben den positiv konnotierten Faktoren zeigt sich in den kununu Kulturdaten auch ein anderes Bild von Leistung – eines, das stärker über Druck und Selbstoptimierung beschrieben wird. Besonders deutlich wird das beim Gegenpol „Alles nur auf Leistung trimmen“. Mitarbeitende, die diesen Aspekt wahrnehmen, verbinden ihn vor allem mit Leistungsdruck: Über die Hälfte (50,2 Prozent) nennt das gezielte Setzen von Mitarbeitenden unter Druck als zentrales Merkmal. Auch dauerhafte Überstunden (38,6 Prozent) und das Gefühl, primär für die Arbeit zu leben (37,3 Prozent), gehören zu den häufigsten Assoziationen.

Weitere Aspekte wie Aktionismus (16,2 Prozent) oder Wettbewerb unter Kolleg:innen (6,9 Prozent) spielen dagegen eine deutlich geringere Rolle. Auffällig ist: Leistung wird in diesem Kontext nicht als Ergebnis guter Rahmenbedingungen beschrieben, sondern als Zustand permanenter Verdichtung. Damit entsteht ein deutlich anderes Verständnis von Leistungskultur – eines, das weniger auf Vertrauen und Orientierung basiert, sondern auf Intensität und Druck.

Ein anderes Verständnis von Leistung 

Die kununu Kulturdaten bilden keine objektive Leistung ab, sondern die Wahrnehmung von Leistungskultur im Arbeitsalltag. Gerade diese Wahrnehmung prägt jedoch, wie Arbeit erlebt, bewertet und letztlich auch erbracht wird. 

Für kununu CEO Nina Zimmermann ergibt sich daraus eine klare Verschiebung: 
„Die Analyse unserer Kulturdaten zeigt: Vertrauen ist aus Sicht der Mitarbeitenden ein grundlegender Faktor für eine moderne Leistungskultur. Leistung wird deutlich seltener mit Mehrarbeit und Druck verbunden, sondern mit klaren Rahmenbedingungen und Sinn.“  

Die Kulturdaten widersprechen damit nicht der Forderung nach Leistung. Sie widersprechen aber der Annahme, wie sie entsteht. Während die Debatte fragt, wie viel gearbeitet wird, veranschaulicht die kununu Analyse, unter welchen Bedingungen Arbeit als Leistung wahrgenommen wird. Dazu Zimmermann: „Mitarbeitende verbinden eine Kultur der Leistung bei ihrem Arbeitgeber deutlich seltener mit Mehrarbeit und Druck. Moderne Leistungskultur entsteht in den Augen der Mitarbeitenden durch klare Rahmenbedingungen, Vertrauen und Sinn.“

Kultur-Check: Leistung sichtbar machen 

Wie klar ist Ihre Leistungskultur im Alltag erkennbar? 

  • Werden Ziele gemeinsam verstanden oder nur vorgegeben?  
  • Entsteht Vertrauen im Arbeitsalltag oder Kontrolle?  
  • Wird Leistung über Ergebnisse sichtbar oder über Präsenz?  
  • Wissen Ihre Mitarbeitenden, warum ihre Arbeit relevant ist?  

Die kununu Kulturdaten zeigen: Leistung entsteht dort, wo Rahmenbedingungen stimmen. 
Machen Sie mit einer professionellen Präsenz auf kununu sichtbar, wie Ihre Organisation hier aufgestellt ist.

 

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kununu Kulturdaten: Grundlage

Grundlage der Analyse sind rund zwei Millionen Kulturdaten aus dem DACH-Raum, erhoben zwischen 2020 und 2025 auf kununu. Mitarbeitende wählen aus 160 Wertbegriffen diejenigen aus, die ihre Arbeitskultur am besten beschreiben. Für diese Auswertung wurde untersucht, mit welchen Begriffen der Wert „Nach Leistung beurteilen“ verknüpft wird.