Immer mehr Erwerbstätige in Deutschland glauben nicht mehr daran, dass sich Leistung im Job lohnt. Ausgerechnet beim Thema, das Arbeitgebende am lautesten bewerben, liefert das kununu Kulturecho jetzt eine Erklärung dafür: Eine überwältigende Mehrheit der Unternehmen wirbt mit Karrierechancen, bestätigt sieht das im Arbeitsalltag nur eine Minderheit der Mitarbeitenden.
Es ist ein stilles, aber einschneidendes Vertrauensproblem: Immer mehr Erwerbstätige in Deutschland glauben nicht mehr daran, dass sich Leistung im Job auszahlt, wie eine aktuelle Statista-Erhebung zeigt. Das Versprechen der Leistungsgesellschaft, „wer hart arbeitet, kommt weiter“, verliert an Glaubwürdigkeit.
Am deutlichsten zeigt sich dieser Vertrauensbruch dort, wo Unternehmen am häufigsten werben: bei Karriere und Aufstieg. Wer hier Unternehmenskultur messen will, findet einen der klarsten Belege dafür im kununu Kulturecho, für das erstmals systematisch verglichen wurde, wie oft Unternehmen bestimmte Kulturthemen kommunizieren und wie oft Mitarbeitende sie in ihren eigenen Kulturbewertungen tatsächlich bestätigen.
95,5 Prozent der auf kununu veröffentlichten Arbeitgeberprofile sprechen der Selbstbeschreibung von Entwicklung, Karriere oder Perspektiven – kaum ein anderes Thema wird so verlässlich bespielt. Bestätigt sehen das aber nur 34,2 Prozent der Mitarbeitenden, wenn sie ihre eigene Arbeitsrealität beschreiben. Es ist die größte Lücke, die das kununu Kulturecho zwischen Arbeitgeberkommunikation und Mitarbeitendenwahrnehmung findet. Und sie erklärt einen guten Teil davon, warum das Leistungsversprechen gerade branchenübergreifend an Glaubwürdigkeit verliert.
Warum ausgerechnet Karriere so oft enttäuscht
Karriereversprechen sind fast immer positiv formuliert, allgemein gehalten und leicht verständlich zu kommunizieren: „individuelle Entwicklungsmöglichkeiten“, „vielfältige Karrierewege“. Das Problem ist nicht die Absicht dahinter, sondern die fehlende Übersetzung in den Alltag. Ein Versprechen wie „wir fördern unsere Mitarbeitenden“ lässt sich auf einer Karriereseite in einem Satz unterbringen. Ob es stimmt, entscheidet sich aber erst in sehr viel kleinteiligeren Momenten: in Jahresgesprächen, die tatsächlich stattfinden, in Weiterbildungsbudgets, die nicht als Erstes gestrichen werden, in Beförderungen, die nachvollziehbar begründet sind.
Genau das macht Karriere zum Thema mit dem größten Erwartungsrisiko im Employer Branding. Es lässt sich enorm einfach behaupten und enorm schwer regelmäßig einlösen. Wer hier kommuniziert, ohne die Praxis dahinter zu haben, produziert Vertrauen auf Kredit – das irgendwann fällig wird, spätestens im ersten Bewerbungsgespräch mit jemandem, der vorher schon auf kununu gelesen hat, wie andere Mitarbeitende diese Frage beantworten.
Wenn Unternehmenskultur im Kleinen entsteht
Nicht jede Differenz zwischen Kommunikation und Wahrnehmung läuft zulasten der Arbeitgeber:innen. Bei Transparenz ist es umgekehrt. Nur 23,1 Prozent der Profile werben aktiv mit offener Kommunikation, aber 28,3 Prozent der Mitarbeitenden bestätigen entsprechende Werte im Alltag. Unternehmen liefern hier mehr, als sie erzählen.
Das ist bemerkenswert, weil es zeigt: Die Lücke zwischen Kommunikation und Wahrnehmung ist kein reines Glaubwürdigkeitsproblem, das man einfach schließen muss. Sie ist auch ein Kommunikations-Blindspot. Wer intern längst transparent informiert, aber extern kaum darüber spricht, verschenkt ein Kulturmerkmal, das ohnehin schon funktioniert – und das sich, anders als Karriereversprechen, ohne zusätzliche strukturelle Veränderung bewerben ließe.
Unternehmenskultur messen: Das zeigt der kununu Kulturscan
Der naheliegende Reflex bei einer Lücke wie bei Karriere wäre, das Thema noch lauter zu bespielen. Das dürfte die Diskrepanz eher vergrößern als schließen. Wer ein ohnehin schwer einzulösendes Versprechen zusätzlich verstärkt, erhöht nur den Kontrast zur erlebten Realität. Sinnvoller ist der umgekehrte Blick. Zuerst sollten Sie die eigene Unternehmenskultur messen, um zu sehen, wo sie bereits mehr hält, als sie verspricht. Diese Stärken gilt es dann sichtbarer zu machen, bevor man ein fragiles Versprechen weiter aufbläht.
Wie sich Unternehmenskultur messen und konkret zwischen einzelnen Arbeitgebern vergleichen lässt, zeigen der interaktive kununu Kulturscans – etwa im Vergleich in der Telekommunikationsbranche oder unter den größten deutschen Automarken.
Wer die eigene Lücke nicht nur einordnen, sondern direkt in konkrete Maßnahmen übersetzen will, findet mit dem kununu Employer Brand AI Advisor für das Employer Branding Profil eine Stärken-Schwächen-Analyse samt Benchmarking zum eigenen Wettbewerbsumfeld.
Starker Auftritt: Employer Branding Solutions
Entwickeln Sie Ihre Arbeitgebermarke gezielt weiter – mit einem überzeugenden Auftritt, mehr Sichtbarkeit und datenbasierten Einblicken.